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Gefährdete Frauen

Frauen spielen eine wichtige soziale Rolle bei der Planung und Verwirklichung von Projekten zur wirtschaftlichen Entwicklung. Oft sind sie aber sogar physisch gefährdet durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in- und ausserhalb ihrer Wohngebiete. Dies betrifft Indianische und Frauen allgemein. EDAI möchte, zusammen mit INCOMINDIOS SCHWEIZ, diesen Aspekt publik machen. Mehr...

Hungerstreiks, Protestmärsche, Strassenblockaden in Kanada

Die Winnipeg Free Press meldet am 11. Dezember 2012: Um die Mittagszeit des 10. Dezembers versammelten sich 400 Leute von First Nations aus Manitoba vor dem Parlamentsgebäude in Winnipeg. Michael Champagne, ein indianischer Aktivist, teilte der Menge mit, diese Zusammenkunft sei der Start einer Grassroot-Bewegung von einem Ende zum andern von ganz Kanada: "Wir fordern, dass wir von der kanadischen Regierung als EINE Nation ernst genommen werden. Wir werden uns nicht mehr ignorieren lassen. Wir stehen zusammen in einer friedlichen Revolution. Dies ist unser Land, und wir werden nirgendwo anders hingehen." Die angekündigte Grassroot-Bewegung benützt Facebook und Twitter zum landesweiten Aufruf "Idle No More" (Nie mehr untätig sein!) und organisiert Protestversammlungen quer durch Kanada. Die Attacke der Regierung auf die indianischen Rechte zündet den Funken in Vancouver, Edmonton, Calgary, Lethbridge, Saskatoon, Winnipeg, Thunder Bay und Toronto. Die Absicht ist, alle Medien dafür zu nutzen, die indianische Bevölkerung gegen die Bedrohung ihrer Land- und Vertragsrechte zu mobilisieren. Grand Chief Derek Nepinak von der Vereinigung der Chiefs von Manitoba gesellte sich zu einer Trommler-Gruppe, welche die Hymne "The Longest Walk" des American Indian Movement anstimmte. AIM führte 1973 den bewaffneten Widerstand von Wounded Knee an. Nach gewissen Beobachtern der Ereignisse könnte es in Kanada zu einer ähnlichen bewaffneten Aktion kommen. Bereits am 4. Dezember hatten Chiefs aus Manitoba, Saskatchewan und Ontario sich Zugang in den Sitzungssaal des House of Commons (Repräsentantenhaus) in Ottawa zu verschaffen versucht. Sie verlangten, von der Regierung angehört zu werden und wurden von Sicherheitsbeamten gestoppt. Wiederum war es der Grand Chief Derek Nepinak aus Manitoba, der erklärte: "Die Zeit ist vorbei, da die Regierung in Ottawa einseitige Entscheidungen über die First Nations fällen kann." Die Chiefs sind wütend über die Gesamtbudget-Vorlage C-45, deren Sparmassnahmen die finanziellen Verpflichtungen gegenüber den First Nations beschränken. Zudem geht es um die Kontrolle über die Bodenschätze auf indianischem Land und über einseitige Änderungen von Vertragsrechten. Anishinabek Nation Grand Council Chief Patrick Madahbee erklärte: "Premier Stephen Harper versprach im Januar 2012 partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den First Nations, und dann machte er sich davon, um unsere Bodenschätze an die Welt zu verkaufen. Er handelt ununterbrochen in dieser Weise. Dass internationale Firmen Milliarden von Dollars aus unserem Land herausholen, ist nicht die Antwort auf die Armut in unseren Gemeinden." Der frühere Grand Chief der Nationalen Gesamtvereinigung der First Nations, Ovide Mercredi, erklärt gar: "Die Wahlmöglichkeit für uns ist absolut klar: Wir müssen unsere eigenen Gesetze erlassen und das Parlament in Ottawa ignorieren." Daraus folgt: Die First Nations und die Regierung Harper bewegen sich in auseinanderdriftenden Richtungen. Konfrontation and Unruhen werden die kanadische Tagesordnung in Zukunft bestimmen. Was tut sich bei der angekündigten Grassroot-Bewegung? Kanadas Winterruhe wird aufgestört durch noch nie dagewesene Protestaktionen durch die indianischen Völkerschaften. In weniger als ein paar Wochen verwandelte sich eine kleine Aktion gegen die Budget-Vorlage C-45 der konservativen Regierung Harper in einen kulturellen und politischen Aufstand: Protestveranstaltungen in Dutzenden von Städten, eine Zerreissprobe im Parlament, Blockaden von wichtigen Autobahnen und Eisenbahnlinien, Aktionen in Einkaufszentren, ein Schauer von Twitter-Aktivitäten und der Hungerstreik von Chief Theresa Spence in einem Tipi vor dem Parliament Hill in Ottawa. Andere, wie Elder Raymond Robinson, schliessen sich dem Hungerstreik zu Dutzenden an und zeigen so ihre Unterstützung. Premier Harper und Queen Elizabeth sind aufgefordert, die historischen indianischen Vertragsrechte zu respektieren. John Duncan, der Minister in Aboriginal Affairs (Indianerminister) erklärt gegenüber den internationalen Medien, dass die Beziehungen zu den First Nations "sehr gut" seien. "Wenn dies nur die Wahrheit wäre", meldet die Zeitung The Guardian. Der frühere Premier Paul Martin erklärt gar: "Wir haben uns selber nie eingestanden, dass wir waren und immer noch sind: ein Kolonialstaat." Die Tatsachen und die Quelle der Wut und der Unruhen können nicht wegdiskutiert werden. Kanada hat weltweit die grössten Frischwasser-Vorräte, und mehr als 100 indianische Gemeinden haben kein Trinkwasser zur Verfügung. Die Angehörigen der First Nations umfassen 3% der Gesamtbevölkerung Kanadas. Sie stellen 20% der Gefängnisinsassen. Im hohen Norden ist die Rate von Tuberkulosekranken 137 mal höher als beim Rest der Bevölkerung. Die Selbstmordzahlen in den indianischen Gemeinden sind weltweit am höchsten: Bei der Pikangikum First Nation in Ontario unterschrieb eine Gruppe von Mädchen im Schulalter einen Pakt zum Kollektivselbstmord. Milliarden gibt der kanadische Staat für die First Nations aus: Nicht für den Bau von Häusern, Schulen, die Infrastruktur, sondern für Prozesse gegen die indianischen Gemeinden. Jedes Jahr pumpt die Regierung 100 Millionen Dollar in gerichtliche Auseinandersetzungen, damit Vertragsrechte beschnitten werden können. Diese Summe wurde allein gegen zwei First Nations in Alberta eingesetzt, die versucht haben, Abgaben von Ölfirmen für sich zurückzubekommen, die von Bürokraten veruntreut wurden. Weltweite Sympathiekundgebungen fangen sich an zu formieren, und bereits wird Idle No More mit der Occupy-Bewegung und dem Arabischen Frühling verglichen. In Kanada wächst die Unterstützung durch nicht-indigene Bevölkerungsgruppen, dies wegen der Animositäten, welche die Regierung Harper unter den progressiv Denkenden aller politischen Richtungen auslöst. Vor allem die Umweltschutz-Organisationen sind über die Budgetvorlage C-45 aufgebracht. Gemäss kanadischen Beobachtern verfolgt Premier Harper einzig zwei Ziele: die politische Zweckmässigkeit und die wirtschaftlichen Interessen jener Leute, die ihn wählten: seine Freunde in den Erdöl-, Erdgas- und Bergbau-Firmen, die ihr Business ungehindert betreiben wollen. Sie haben es in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit denen, welche die vertraglichen Rechte auf ihr Land besitzen, abzustützen. Diese Rechte sind in der Verfassung verankert. Kanadische Stimmen meinen: Kanada muss endlich seiner kolonialen Geschichte ins Auge blicken, es muss die guten Beziehungen zwischen einer selbstständigen Nation und den in vielen Belangen gleichberechtigten First Nations wieder herstellen und die indianischen Rechte, die in der Verfassung in Paragraph 35 festgeschrieben sind und auf denen die Gründung des Staates Kanada basiert, respektieren. Eine Regierung, welche die Gesetze ignoriert, bedroht die Fundamente der Demokratie. Eine Regierung, welche die gesetzlichen Rechte von einzelnen Leuten verleugnet, bedroht alle Bürger und Bürgerinnen. Eine Regierung, welche Verhandlungen nicht auf Treu und Glauben basiert oder gar ihre selbstformulierten vertraglichen Verpflichtungen nicht einhält, setzt die wirtschaftliche Zukunft des Landes aufs Spiel. Kanadas Regierung tut dies alles Tag für Tag seit der Staatsgründung und hat sich dies bis anhin ungestraft leisten können.
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